Verkehrskonzept Innenstadt #Netztrennung

Es gibt nur ein Thema, dass die Mettmannerinnen und Mettmanner gerade mehr bewegt, als die Stadthalle: Die Zukunft des Jubiläumsplatzes und die geplante Netztrennung.

Planung seit 2004

Unsere Fraktion ist erst seit 2014 im Rat vertreten. Entscheidungen sind für uns im Ratsinformationssystem erst ab 2009 zu recherchieren. Wir kennen den Luftreinhalteplan und die Forderung, wie weit der Verkehr in der Innenstadt reduziert werden müsste, um ihn einzuhalten. Eine komplette Netztrennung ist dafür aus unserer Sicht nicht erforderlich.

In unserer Fraktion waren wir für eine deutliche Beruhigung, aber nicht für die komplette Netztrennung, die jetzt von der Verwaltung forciert wird. Wir waren dafür, dass der gesamte Bereich Jubiläumsplatz, Schwarzbachstraße im Bereich des Jubiläumsplatzes sowie die untere Johannes-Flintrop-Straße und die Breitestraße barrierefrei auf eine Ebene gebracht wird, um so die Optik eines Fußgängerbereichs zu erzeugen und dem Jubiläumsplatz auch eine neue Größe (wenigstens optisch) zu geben. Bevorzugt mit Pflaster. Allein das könnte Verkehr und Geschwindigkeit deutlich reduzieren. Wir sind auch gegen den Umbau des Knotenpunkt Talstraße / Breitestraße, für den es keine Fördergelder geben wird. Das muss aus unserer Sicht in einer Stadt im Haushaltssicherungskonzept aktuell wirklich nicht sein.

Egal welche Idee wir aber in der vergangenen Zeit einbrachten, es folgte eine Argumentation, warum dies nicht möglich sei.

  • Pflasterung? Für Busse nicht tauglich, zu hoher Geräuschpegel, zu große Abnutzung.
  • Als Alternative Prägeasphalt? Zu teuer, für Busse wegen Abnutzung untauglich, Abhängigkeit vom Hersteller bei notwendigen Reparaturen.
  • Barrierefreier ebenerdiger Bereich? Zu gefährlich für Fußgäng, vor allem für Sehbehinderte und im engen Kurvenbereich.

Die Widergabe hier ist nicht wortwörtlich, aber sinngemäß. Daraus zu lesen ist vor allem, dass es zu allen Ideen und Vorschlägen sofort Gegenwind gab. Andere Städte haben indes längst bewiesen, dass solche Lösungen auch mit starkem Busverkehr gibt.

Die Zukunft des Jubiläumsplatz?

In einem Punkt, aber nur da, gebe ich der SPD Recht: Es fehlt das klare Bild, wie der Jubi künftig aussehen soll und was aus ihm werden soll. Ein von CDU und SPD beantragtes und mit dieser Mehrheit auch beschlossenes Verkehrsgutachten, das mit 150.000 € in den Haushalt einer Stadt eingestellt wurde, die sich in der Haushaltssicherung befindet, dann als Reparaturgutachten zu bezeichnen, finde ich fragwürdig. Keine Zahlen bei der notwendigen Abstimmung und dann nach „abgestimmten“ Fakten reparieren wollen, ohne sich alle Möglichkeiten offen zu halten?

Es gab schon viele Vorschläge aus der Bevölkerung, von denen mir auch viele gefallen. So schön, wie der Jubiläumsplatz vor langer Zeit einmal war, mit Bäumen, viel grün, fast parkähnlich, wird er nicht wieder werden können. Auch wenn die Vorstellung etwas sehr schönes hätte. Damals fuhren keine 500 Busse täglich darüber, damals gab es keine Kreissparkasse und auch keine Tiefgarage. All das schränkt die Möglichkeiten des Platzes ein. Ein Vorschlag aus der Bevölkerung lautete ein Dach für eine Markthalle wie in Erkrath am Bavierplatz zu errichten. Diese Idee finde ich besonders charmant. Vor allem, wenn man den einzigen „Regenunterstand“, das Waschbrett, entfernt.

Der Jubi hat Konkurrenz

Der Jubi hat inzwischen viel Konkurrenz in der Stadt. Am Königshof verweilen vor allem Eltern mit ihren Kindern gern. Wenig und langsamer Verkehr und eine offene Platzoptik begünstigen das. Der Markt bietet chillige Altstadt-Atmosphäre mit Außengastronomie und die Freiheitsstraße im Bereich Schäfchengruppe und darüber hinaus ist inzwischen auch ein ausgesuchter Platz, der mit Außengastronomie anzieht.

Wieviele Plätze können in einer nicht einmal 40.000 Einwohnerstadt in dieser Art gefüllt werden? Braucht der Jubi nicht einen anderen Ansatz, andere Anziehungspunkte? Welche hat er gerade zur Zeit?

Gefüllt ist der Platz mittwochs und samstags zum Markt. An diesen Tagen trifft man auch ausgesprochen viele unserer Senioren auf dem Jubiläumsplatz. Dort können Sie den Marktbesuch fußläufig mit Einkäufen bei REWE, Penny, inzwischen dm und dem anliegenden kleineren Einzelhandel verbinden. Bäcker Schüren bietet die Möglichkeit zu frühstücken und Brot einzukaufen und wer zur Mittagszeit einkauft, kann im Frankheim gleich auch das Mittagessen einnehmen. Für die älter werdende Bevölkerung ideal.

Vieles ist am Jubi nicht umsetzbar

Eine Glasüberdachtung des Jubi über dem Markt würde die bestehenden Vorteile des Jubiläumsplatz verstärken. Das Wegfallen von tieferliegenden Fahrspuren würde die Optik eines viel größeren Platzes erzeugen. Im Idealfall erhält der Jubi nach Wegfallen des derzeitigen Förderzeitraums die „gleiche Pflastung“, wie der umliegende Bereich.

Das eine oder andere Kinderspielgerät, vielleicht im hinteren Bereich der Kreissparkasse, könnte auch für Eltern die Aufenthaltsqualität während der Marktbesuche und auch außerhalb verbessern. Ein Spiel-/Bewegungsgerät, dass Erwachsenen und Senioren Spaß macht, fände ich persönlich auch ganz klasse. Weitere Begrünung bzw. Pflanzung von Bäumen, ist offensichtlich nur auf einem derzeit geplanten, vergrößerten Bereich von der Häuserkante Schwarzbachstraße bis zur immer noch geplanten, dann verengten Fahrbahn möglich. Wieviel größer wären neu gepflanzte Bäume, als die derzeitigen? Wieviel mehr würden es seien? (Zur Erinnerung: Bei dem Umgestaltung der Innenstadt wurden es weniger Bäume als vorher. Ca. 7 Bäume weniger.)

Bedenken, was offensichtlich nicht möglich ist

Der Jubi ist mit der Tiefgarage darunter nicht sonderlich stark belastbar. „Wasser nach oben holen“ ist fast unmöglich oder nur sehr eingeschränkt an Randbereichen möglich. Bäume auf dem Jubi sind wegen der Tiefgarge auch so gut wie nicht möglich. Die „Markthalle“, eine hochstehende Glasdachkonstruktion, wie in Erkrath, wahrscheinlich vorerst zu teuer.

Wenn nun die komplette Netztrennung abgestimmt werden sollte, riskiert man damit, wegen der zu erwartenden Umsatzeinbußen, den Wegzug von Penny, REWE, Bäcker Schüren und höchstwahrscheinlich auch des neuen dm. Selbst wenn ins Rondel (ehemals Café Kaiser) Gastronomie mit Außenbereich im Sommer einzieht, könnte jeder Anzugspunkt außerhalb der Marktzeiten oder vielleicht abends, wenn weniger Busse fahren, verloren gehen. Auch die kleineren Einzelhändler um den Jubi und in angrenzenden Bereichen müssten möglicher Weise mit Umsatzeinbußen rechnen, was zu weiteren Schließungen führen könnte.

Was bedeutet das für den Jubi und was bedeutet es für Senioren, die vielleicht nur mittwochs und samstags in die Stadt kommen, weil sie nicht mehr so mobil sind und dann neben dem Markt keine fußläufigen Einkaufsmöglichkeiten für ihren Wocheneinkauf vorfinden?

Welche Möglichkeiten müsste man ordentlich prüfen, um die Netztrennung zu vermeiden und totzdem eine deutliche Verkehrsberuhigung zu erzielen?

  • Eine deutliche Beschilderung für die Umgehungen, die vor allem an der Kreuzung Talstraße / Breitestraße den Verkehr Richtung Wülfrath lenkt.
  • Sich dafür einsetzen, dass die Osttangente baldmöglichst auch in den Kartenwerken von Apple erscheint (da ist sie bisher nämlich nicht verzeichnet).
  • Barrierefreiheit und belastbare Pflasterung oder Asphalt mit Pflasteroptik
  • Im Kurvenbereich ließe sich durch Metallbügel eine Abgrenzung zur Straße schaffen, die Fußgänger schützt und trotzdem den optischen Eindruck eines verkehrsberuhigten Bereichs erzeugt.
  • Mit einem verkehrsberuhigten Geschäftsbereich könnte man die Geschwindigkeit auf 20 km/h begrenzen.
  • Mit einer Einschränkung „Anlieger frei bis zu den Parkhäusern“ ein weiteres Signal setzen, damit die Innenstadt nicht zur Durchfahrt benutzt wird.
  • Erhöhte Kontrollen nach Einrichtung dieser Zone würden ihr Übriges zu Verkehrsberuhigung tun.
  • Minikreisverkehre am Kreuzungsbereich Am Königshof / Breitestraße / Mühlenstraße / Untere Johannes-Flintrop-Straße und an der Kreuzung Untere Johannes-Flintrop-Straße / Schwarzbachstraße / Jubiläumsplatz würden die Geschwindigkeit bei Einfahrt in diesem Bereich reduzieren.
  • Wenn man nur Busse, Taxis und Zielverkehr einkalkuliert, könnte der Kurvenbereich – wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen – möglichweise auch auf eine Fahrspur mit Wechselampel (mit Sensor um unnötige Wartezeiten zu vermeiden) reduziert werden. Das könnte mehr Raum für Fußgänger schaffen und der Verkehrsberuhigung Nachdruck verleihen.

Können wir reinen Gewissens für eine komplette Netztrennung stimmen?

Aus meiner Sicht nein. Sind REWE, Penny, dm, Bäcker Schüren wirklich weg, sind diese Leerstände nur schwer wieder zu füllen und ältere Menschen könnten nicht mehr so einfach „alles an einem Ort einkaufen“.  Auch Frankenheim und vielleicht eine neue Gastronomie im ehemaligen Café Kaiser würden dem Jubi nicht genügend Leben einhauchen können. Ob kleinere Einzelhändler am Rande des Jubi dann noch existieren könnten, ist fraglich. Die freiwerdenen großen Ladenlokale würden nur schwer Nachmieter finden. Wollen wir eine solche mögliche Zukunft für den Jubiläumsplatz?

Und dann wäre da noch das neue Urteil zum Diesel-Fahrverbot …

Zu all den Überlegungen kommt gerade noch eine neue Unwägbarkeit hinzu, die selbst die Landeshauptstadt Düsseldorf ins Schleudern bringt: Das von der Deutschen Umwelthilfe erwirkte Urteil zum Dieselfahrverbot. Das ist in allen Überlegungen natürlich überhaupt noch nicht Bestandteil. Busse und Taxen sind meines Wissens immer noch zum größten Teil Dieselfahrzeuge. Wie weit geht das Verbot? Wieviele Fahrzeuge des städtischen Fuhrparks sind Dieselfahrzeuge? Was ist mit den Fahrzeugen der Müllabfuhr? Und was bedeutet das für uns alle insgesamt?

Und ewig grüßt das Murmeltier oder auch der Laubfrosch #Stadthalle

Seit Juni 2014 bin ich nun im Stadtrat und genauso lang begleitet uns das Thema Stadthalle sanieren, Stadthalle umbauen, abreißen und Bürgerzentrum bauen oder inzwischen auch Verkauf an einen Investor, der abreißt, neubaut und kombiniert mit einem Anteil an Wohnbau zum Königshof ausgerichtet, für die Stadt quasi den Neubau eines Mehrzweckbaus mitübernimmt.

Wirklich schön isser ja nun wirklich nicht, unser Laubfrosch, aber …

fast alle genannten Alternativen scheinen in einer Stadt, die in der Haushaltssicherung steckt und versucht einen Nothaushalt abzuwenden, ziemlich unrealistisch. Selbst ein ersatzloser Abriss wäre am Ende zu teuer, wenn man dieses Herzstück an Grundstück am Rande der Innenstadt nicht an einen Investor verkauft, der dann wahrscheinlich – ratet mal – Luxuswohnungen dahin baut. Alles keine wirkliche Lösung für Mettmann und die Menschen, die hier Leben.

Im Sommerinterview hatte ich, glaube ich gesagt, dass man im Zweifelsfall vielleicht die Stadthalle zu Ende 2017 schließen müsste, übergangsweise in interkommunaler Zusammenarbeit mit Erkrath die dortige Stadthalle nutzt, bis man eine Lösung gefunden, hat, die sich in Mettmann umsetzen lässt.

Es sollen Fakten auf den Tisch

Seit diesem Interview hatte ich eher zufällig mit mehren Mettmannern und Mettmannerinnen das Thema Stadthalle in einem privaten Gespräch, in dem wir das Gesehen in der Stadt reflektiert haben. In einem Gespräch sagte mein Gesprächspartner: Es müssen doch einmal alle Fakten auf den Tisch, damit mein eine sinnvolle und ehrliche Entscheidung treffen kann.

Genau das ist der Knackpunkt. Die Etablierten Parteien haben den Auftrag an die Verwaltung gegeben, dabei liegen einige Fakten durchaus vor. Nicht auf Heller und Pfennig, aber sicher in einem Maß, indem man ein oder mehrere Alternativen ausschließen müsste. Denn wie gesagt: Es fehlt das Geld. Vor allem das in Millionenhöhe. Aber dürfen wir deswegen Mettmann auch noch dieses Stück Kultur nehmen, dass in der Stadthalle noch seinen Platz findet?

Bei meinen ersten Recherchen stieß ich auf eine Pressemeldung aus 2006, lange vor meiner politischen Zeit und damals auch fern meiner Aufmerksamkeit. In einem Workshop wurden die Alternativen für die Stadthalle fast schon einmal in ähnlicher Konstellation bearbeitet, wie sie heute wieder auf dem Tisch liegen. Was ist in den letzten 10 Jahren passiert?

Ich werde versuchen alle bereits verfügbaren Fakten zusammenzutragen. Ähnlich wie vor längerer Zeit zu Road Stop als pro und contra, möglichst ohne eigene Wertungen einfließen zu lassen. Nur das, was jeden von uns auf den gleichen Kenntnisstand setzt.

Das klappt sicher nicht innerhalb eines Tages, aber ich bemühe mich um einen zeitnahen Beitrag, der dann möglicher Weise immer weiter ergänzt wird.

Baumscheiben in Mettmann

Urban Gardening ist ein Trend, der kaum zu stoppen ist. Überall grünt und blüht es, auch in Mettmann. Aber wer versucht den offiziellen Weg über die Verwaltung zu gehen, verliert leicht einmal die Lust am verschönern.

Ich könnte wetten, dass die schönsten Baumscheiben in Mettmann ohne Rückfrage oder „Antrag“ bei der Verwaltung bepflanzt wurden. Weiterlesen

Nichts neues für Jubiläumsplatz, Schwarzbachstraße, untere Johannes-Flintrop-Straße und Breitestraße?

Es ist eine seit Monaten andauernde Diskussion. Die Diskussion um die Sperrung von Schwarzbachstraße, untere Johannes-Flintrop-Straße sowie Breitestraße für den motorisierten Individualverkehr, als auch die Diskussion um die Neugestaltung des Jubiläumsplatzes. Eigentlich eine Diskussion, die man gar nicht getrennt voneinander führen kann. Weiterlesen

Analyse: Parken und die „Brötchentaste“

Ein Antrag der CDU zur Abschaffung der sogenannten Brötchentaste in Teilen der Mettmanner Innenstadt erhitzt gerade die Gemüter der Einwohner. Aber auch die  Geschäftsleute schauen sorgenvoll auf diesen Antrag. Könnten sie doch Kunden verlieren, die  genau wissen was sie wollen und die Brötchentaste nutzen, um mal „mal eben in den Laden / die Apotheke / die Pizzeria (zum Abholen des Bestellten) zu springen“. Weiterlesen

Essbare Stadt und die Verhinderung von Bürgerbeteiligung

Ein Antrag der SPD, der im Planungsausschuss der Stadt Mettmann am 17.02.2016 mit Hilfe der Stimmen von CDU, FDP, UBWG und AfD durchgedrückt wurde, beschäftigt mich aktuell so sehr, dass ich doch etwas dazu schreiben möchte.

Unsere Fraktion Piraten/Linke und die Fraktion der Grünen haben als einzige gegen diesen Antrag gestimmt.

Papier ist geduldig – auch ein Positionspapier

Das muss man nach diesem Antrag der SPD zumindest annehmen, wenn man dieses Positionspapier gelesen hat.

Was sollen die Bürger, die sich für die Umsetzung der essbaren Stadt an der Treppe am Königshoft engagiert haben, jetzt denken? Dialog Bürger und Politik unerwünscht?

 

Weil wir Menschen sind und weil die Würde des Menschen unantastbar ist … #refugee 1

Piraten sind in erster Linie Menschen. Menschen aus allen Bevölkerungsschichten, Menschen, die sich bewusst geworden sind, dass irgendwas schief läuft und der Wert des einzelnen Menschen, seine Würde in Politik und Wirtschaft immer weniger wiegen.

Piraten sind angetreten, um etwas zu verändern. Sie wollen eine Demokratie gestalten, in der die, die es betrifft – die Bürger und Einwohner dieses Landes – aktiv mitentscheiden, wie es weitergehen kann und soll. Weiterlesen

Road Stop Mettmann – PRO und CONTRA

Galerie

Diese Galerie enthält 20 Fotos.

Aktuellste Ergänzung vom 10.1.2013 unterhalb des Originalartikels Ich schätze bei der letzten Sitzung des Planungsausschusses war man vollkommen überrascht vom Bürgerandrang, der sich aus Gegnern und Befürwortern für die Ansiedlung von Road Stop in Mettmann zusammensetzte. Der Sitzungsraum platzte jedenfalls … Weiterlesen

Road Stop Mettmann – alle sind erfreut. Alle? Eine kleine Ansiedlung leistet Widerstand …

Die Kultur darüber zu klagen, dass sich in Mettmann nichts ändert ist alt und wird bis in die heutigen Tage gepflegt.

Sicher, was die Beteiligung der Mettmanner Bürger an der Entwicklung betrifft, kann man auch heute noch in diese Kerbe einschlagen. So richtig haben die Stadtverantwortlichen noch nicht verstanden, wie Bürgerbeteiligung und das gemeinsame Tragen der daraus entstandenen Entscheidungen eigentlich funktioniert.

Aber in Punkto fehlende Einkaufsmöglichkeiten und auch fehlende Gewerbesteuer-einnahmen tut sich spätestens seit Baubeginn der Kö-Galerie und des Kö-Karree etwas, was die Mettmanner wieder hoffen lässt.

Und dann die Knaller-Nachricht, die die meisten einem Bericht in der RP entnommen haben:

Road Stop kommt nach Mettmann!

Unsere Jugend freut es genauso wie Familien und sogar ältere Mitbürger, denn Road Stop bietet ein breites Angebot an Kulinarischem verbunden mit Erlebnis und einem großen Bereich für Kinder und der Möglichkeit für private „Events“ Räumlichkeiten zu buchen.

Jetzt ist die Mettmanner Welt wieder halbwegs in Ordnung, könnte man meinen. Aber schon werden die Stimmen der Anwohner laut, die sich gegen das Projekt Road Stop stellen. Heute berichtet die RP mit Argumenten der Anwohner, wie „Wir sind damals nach Mettmann gezogen mit der Information, dass neben unserem Wohngebiet ein Gewerbegebiet entsteht, welches Wohnen nicht wesentlich stört“ .

Folgt man den Argumenten der Anwohner entsteht der Eindruck, dass sie wenig über Road Stop wissen und noch keinen Road Stop persönlich besucht haben. Sie freuen sich nicht darüber, dass sie künftig fussläufig mit oder ohne Familie ein paar nette Stunden verbringen können, sondern formieren sich gegen Road Stop, nur um am Ende eben typsich deutsch „im Recht zu sein“? Aber das liegt auch an der mangelnden Information seitens der Stadt.

Was stört Wohnen?

Ich meine das ist schon eine interessante Argumentation „ein Industriegebiet, das Wohnen nicht wesentlich stört“. Ich denke da jetzt an mehrmals täglich vorbei donnernde LKW, an Fabriklärm, an Schadstoffe oder Qualm aus Fabrikschornsteinen.

Aber dabei an einen Road Stop zu denken, der mir die Möglichkeit bietet, abends ohne viel Aufwand eine Kleinigkeit zu Essen oder im Sommer ein wenig im Biergarten abzuhängen, während die Kinder auch ihren Spaß haben?

Gastronomie in Wohnsiedlungen bedeutet für mich ein Stück Lebensqualität.

In anderen Städten ist es ganz selbstverständlich, dass man in Wohngebieten fußläufig einen kleinen Italiener oder Bistros und ähnliches findet, bei denen sich vor allem auch die Nachbarn begegnen können. Ich kannte das eigentlich nicht anders und habe mich in den letzten Jahren hier in Mettmann gewundert, dass hier Wohnsiedlungen entstehen, in denen nicht einmal der Raum für Begnung in der Planung enthalten ist.

Das ist so, als wenn man – entschuldigen Sie den Ausdruck – „eine Absteige oder ein Motel an der Autobahn“ plant. „Man schläft da ja nur …“

Liebe Anwohner des Neanderparks: Wollen Sie in Mettmann leben oder nur ruhig schlafen?

Ich habe drei Jahre in der Champagne gewohnt und fand es schrecklich, dass es dort außer einem Penny, in dem man abends vielleicht noch eine Flasche Wein kaufen konnte, nichts gab, wo man am Abend und in der Freizeit die Nachbarn mal gesellig beieinander finden konnte. Ich habe mir geschworen nie wieder in eine Wohnsiedlung zu ziehen, in der es so gar keinen Raum für Begegnung gibt.

Aber dass die Anwohner hier dann die Mettmanner Oberstadt als Argument nutzen, um Stimmung gegen Road Stop zu machen, ist ein ziemlich mieser Zug, den sich gerade „Zugezogene“ in einer Stadt verkneifen sollten. Die Oberstadt und Road Stop an der B7 sind einfach zwei Paar Schuhe.

Mettmann braucht überall mehr Leben und mehr Begegnung zwischen Jung und Alt. Dann gibt es hier auch mehr Harmonie und weniger Fronten gegeneinander.

Statt gleich „Front“ zu machen, sollte lieber das Gespräch gesucht werden. Denn das könnte viele Befürchtungen von vorn herein zerstreuen und in Mettmann könnte sich endlich einmal etwas positiv entwickeln.